Und dann plötzlich: viel kreative Arbeit oder was hat Spaghetti mit Lernen zu tun

Und plötzlich änderte sich alles: Ich entschied mich, jetzt schon als Coach zu arbeiten, erstellte ein Logo, fing an, mir Social-Media-Seiten aufzubauen, nahm an Webinaren teil, um zu lernen, wie man sich zeigt und Reichweite erreicht, um zu verstehen, wie der Algorithmus funktioniert, Landing page, Leads, habe Seminare belegt und meditiert, um zu erkennen, wer ich wirklich bin und was ich aus meinem Innersten heraus der Welt geben möchte, um mich spitz positionieren zu können, ich habe mir meinen Wunschkunden vorgestellt, den sogenannten Avatar, habe gelernt, dass wenn Du gibst, erhältst Du das, was Du brauchst und überhaupt, es kommt das auf Dich zu, was Du brauchst… . Am Ende hatte ich Spaghetti im Kopf. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin dankbar für all diese Informationen und für das, was ich lernen, schöpfen und kreieren darf.

Selbstverständlich arbeitete ich weiter leidenschaftlich – inhaltlich – an meiner Ausbildung zum Coach, sendete erfolgreich Einsendeaufgaben ein und nahm an Coaching-Peergroup-Sessions teil, um mich weiter zu entwickeln. Mein größter Wunsch ist es, als Coach zu arbeiten und andere Menschen dabei zu begleiten, mutig und authentisch ihr Leben zu verändern und ihren eigenen Weg zu gehen.

Mir wurde allerdings irgendwann klar, dass es noch eine Weile dauern wird, bis ich damit mein Geld verdienen kann. Deshalb bewarb ich mich auf eine sehr interessante Stellenausschreibung einer Firma, die Unternehmen darin unterstützt, sich digital und innovativ zu transformieren und neu aufzustellen, um sich erfolgreich am Markt zu platzieren. Und was soll ich sagen, sie meldeten sich bei mir. Inzwischen hatten wir mehrere Gespräche und sie sind an meiner Mitarbeit sehr interessiert.

Außerdem kam noch ein anderes Unternehmen, das sich um ähnliche Themen kümmert, auf mich zu, dem ich empfohlen wurde.

Kurz vorher hatte ich mich dazu entschieden, selbständige Business-Partnerin für RINGANA zu werden. Ein tolles Unternehmen – von dem ich sehr überzeugt bin – das Frische-Pflegeprodukte und Vitalstoffe herstellt, ganz ohne künstliche Zusatzstoffe und das durch und durch nachhaltig ist. Das ist ganz spannend, ist es doch eine ganz andere Art zu arbeiten. Auch diese Aufgabe verlangt Aufmerksamkeit.

Zwischendurch gab ich dann noch ein Online-Interview über meine Geschichte am Career-Day von Airbus vor 80 Zuschauern. Wer hätte das vor ein paar Monaten gedacht… . Daraufhin bekam ich von einem großen Personalberatungsunternehmen ein Angebot, als freie Mitarbeiterin für sie als Business-Coach zu arbeiten.

Wahnsinn, so viele Eisen im Feuer! Jetzt werde ich erst einmal alle meinen losen Enden zu einem starken Strang verknüpfen. Dies alles hat mir aber vor allem gezeigt, dass alles, was man tut, einem Prozess unterworfen ist, dem man vertrauen darf und mir wurde dadurch ganz klar: Einfach mal anfangen, sich selbst und der eigenen Intuition vertrauen – und vor allem Geduld haben.

P.S. Ein Nickerchen in Ehren kann keiner verwehren…

Urlaub im Rodgau – Weihnachten und Silvester 20/21

Vor drei Monaten habe ich das letzte mal gepostet. Das ist lange her, aber es ist auch so viel passiert!

Es war wunderbar, an Weihnachten und Silvester wieder in Rodgau zu sein: Freunde und Familie zu treffen, uns draußen im Garten mit Glühwein um die Feuerschale zu gruppieren (mit Abstand), ausgelassen zu sein, zu lachen, zu erfahren, wie es allen geht, was sie umtreibt – und auch unser Haus mit Zentralheizung zu genießen – wie gemütlich!

An Heilig Abend gaben Cédric, Christophe und ich ein Weihnachtskonzert mit Geige, Gitarre und Akkordeon. Das war lustig, chaotisch, aber sehr kraftvoll.

Der Kompass war ein kleines Geschenk an alle, um seinen eigenen Weg 2021 zu finden und die Orientierung nicht zu verlieren.

Wieder zurück in der Normandie haben wir „les galettes des rois“ gefeiert. Das ist in der Normandie der Brauch am 6. Januar: eine leckere Torte mit Marzipan mit einer goldenen Krone darauf.

Und auch wenn der Winter in Normandie kalt, feucht und stürmisch ist, gibt es doch vereinzelte Sonnentage, an denen man den Strand, das Meer und die Sonne genießen kann.

Manchmal muss man auch Regeln brechen (dürfen)…

Da ist er nun, der „confinement“. Seit 3 Wochen müssen wir damit leben, dass wir uns nur in einem Radius von 1km von unserem Haus entfernen dürfen und nur für 1 Stunde, es sei denn, wir gehen einkaufen oder wir besuchen „une personne vulnérable“, die Mutter von Christophe – und das lassen wir uns nicht nehmen. Für alle Ausgänge muss ein Attest ausgefüllt werden. Beim dritten Verstoß drohen über 1000€ Strafe und 6 Monate Gefängnis.

Und das für mich, die immer raus muss, es liebt, mit Hugo am Strand (3 km entfernt) joggen zu gehen, und das, obwohl sich hier Fuchs und Hase gute Nacht sagen und das, obwohl die Strände hier so unendlich! weit sind und man dort niemandem – außer einigen Reitern mit ihren Pferden und irgendwo am Horizont einem Spaziergänger mit Hund – begegnet. Das ist nicht fair!

Cédric darf – dieu merci – weiterhin zur Schule gehen. Er muss schon seit dem allerersten Schultag, im September, eine Maske im Unterricht tragen, die gesamte Klasse ist noch vereint, allerdings werden die Pausen und das Mittagessen nach Klassen zeitlich gestaffelt. Wie das immer so ist: Er macht sich darüber weniger Gedanken, als seine Mutter.

Anfangs fühlte ich mich wie im Gefängnis, das machte mir Angst, ich litt, ich war enttäuscht, ich war wütend, waren wir doch wegen des Meeres und der Freiläufigkeit hierhergezogen.

Christophe und ich waren von Anfang an ein gutes Team und wir haben uns gegenseitig immer wieder hochgezogen, wenn wir „unten“ waren. In diesen Zeiten wird ganz klar, an wessen Seite man durchs Leben gehen möchte 🙂 .

Dann irgendwann, erwachte mein „rebellischer Verstand“, den ich schon vermisst hatte. Ein Teil meines inneren Teams (Coachingsprache) sagte mir, dass ich auch mal Regeln brechen darf, ich gefährde ja niemanden. Gesagt – getan: ich fuhr mit Hugo an den Strand. Er liebt es so, dort zu sein und man spürt, dass es ihn glücklich macht. Er rast, schnuppert, streunt herum, beobachtet neugierig, lässt sich den Wind um die Nase wehen. (Danach liegt nicht nur er total entspannt und ausgepowert auf unseren Louis-XIV-Möbeln.) Und ich, ich höre das Meer rauschen, atme die Salzluft tief ein, das Wasser glänzt in der inzwischen tiefstehenden Sonne. Ein unvergleichliches Gefühl, mit nichts zu vergleichen, das Gänsehaut macht… . Seitdem weiß ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. (überschwänglich gesagt: Dafür lass ich mich gerne einbuchten…)

Natürlich halte ich mich (weitgehend) an alle anderen Regeln und laufe auch meine gewohnte Strecke im Feld, die sicherlich „in etwa“ einen Radius von 1km beschreibt. 🙂

Ich liebe diese Strecke, Kopfhörer auf und laute Musik, ich tanze beim Laufen und singe aus vollem Herzen und immer entdecke ich etwas neues: Möwen, die bis hierher fliegen, um sich Leckereien zu stibitzen, Bäume voller Misteln (sie leben übrigens parasitisch) und:

An der Kirche von Tourneville bin ich nun schon sicherlich 60x vorbeigelaufen. Aber an diesem Tag fiel mir der Obelisque vor der Kirche auf. „Warum habe ich den vorher noch nie gesehen?“. Ich ging näher und las, was darauf eingemeißelt stand. Es waren die Namen der Kinder von Tourneville, die im 1. und 2. Weltkrieg gefallen oder gestorben waren. Ich weiß nicht, ob es meine momentane Stimmung im confinement war, aber ich stand da und mir kamen die Tränen, ich musste laut schluchzen, in der Vorstellung, dass auf dieser unglaublich schönen Welt so viele unschuldige Kinder gestorben sind und immer noch sterben – für nichts – für nichts – für nichts, …, für nichts und wieder nichts.

Und ich? Ich stehe da und schaue mir lediglich dieses Gedenkmal an. Sollte man da nicht Regeln brechen?

Wir wollen etwas erleben – noch einmal frei sein – bevor der confinement beginnt!

Es war klar, dass der Lockdown bald kommt. Wie wussten nur nicht wann, wie und wie lange. Wir hatten bis zum Schluss gehofft, dass er doch nicht kommt, aber insgeheim wussten wir alle, dass das ein Trugschluss war.

„Jetzt noch einmal frei sein, raus, ohne Einschränkung, etwas erleben“, das war das vorherrschende Thema:

Wir verbrachten einen Nachmittag zu dritt in einem kleinen Wellnessbereich unter freiem Himmel, direkt am Strand. Man kann diesen Bereich ganz privat für sich mieten. Wie hatte ich das vermisst… . Nach dem Aufguss, eingehüllt in den Bademantel, eine Tasse heißen Tee und dann entspannen auf der Liege. Sobald wir uns wieder frei bewegen dürfen, werden wir das wiederholen.

Wir machten einen Stadtbummel durch die 20km entfernte Stadt Coutance und genossen noch einmal einen Kaffee auf der Terrasse eines Bistros. Diese Stadt hat eine lange und schicksalsträchtige Geschichte. Als Hauptort eines gallischen Stamms nahm die Stadt 298 den Namen Constantia nach dem damaligen Kaiser Constantius an. Die Geschichte der Stadt und ihrer Kathedrale geht über die Zerstörung durch die Normannen 866, Rückeroberung durch den französischen König Philipp II. August, Hugenottenkriege und den Einmarsch der Alliierten. Aus der Zeit der Hugenottenkriege existiert die bekannte Geschichte, dass Protestanten, nachdem sie die Stadt überfallen hatten, den hiesigen Bischof gefangen nahmen und ihn zwangen, umgekehrt auf einem Esel reitend, den Schwanz des Tieres in der Hand, durch die Stadt zu reiten.

Wir gingen wandern in einem Nationalpark bei Cherbourg (stark umkämpfte Hafenstadt währendes des zweiten Weltkriegs). Cédric lockten wir damit, dass wir im Wald mit ihm seinen Survival-Vidéo drehen würden, den er für die Schule auf englisch erstellen musste. Wie das immer so ist: Das Wandern, inklusive Esskastaniensammeln, hat ihm dann doch Spaß gemacht.

Cédric hatte kurz vor dem Lockdown ein Volleyball-Tournier, auf dem seine Mannschaft gut Punkte geholt hat und weiter gekommen ist. Leider war das vorerst das letzte Tournier, alle Sportstätten sind ja nun geschlossen. Das ist für Cédric sehr dramatisch, da Volleyball für ihn sein Lebenselixier ist.

Leider konnten wir Christophes Geburtstag nicht so feiern, wie er es sich gewünscht hätte. Für seinen besten Freund Pascal und dessen Frau Sylvie hat er dann doch lecker gekocht. Wie sehr man das genießen kann, wenn man weiß, dass es vorerst das letzte mal sein wird..

Wir hatten Josefine mit ihrer kleinen Lydie zu Besuch. Es ist eine alte Dame, die täglich mutig mit Stock und Hund vor unserem Haus vorbeispaziert. Ich kam irgendwann mit ihr ins Gespräch, lud sie zum Tee ein und sie brachte uns dann selbstgemachte Marmelade mit. Aufgefallen ist sie mir deshalb, weil sie immer Kleidung mit knalligen und bunten Farben und dazu Hausschuhe trägt.

Schöne Bilder, schöne Erinnerungen in Kopf und Herz, die uns niemand mehr nehmen kann.

Am Grab von Jean-Claude Borderie, Christophes Vater

An Allerheiligen besuchten wir das Grab von Christophes Vater. Er starb 1984 an einem Autounfall. Leider wird in der Familie nicht viel darüber erzählt und auch nach Nachfragen erhält man nur spärliche Informationen. Ich habe mit vorgenommen, mehr nachzuhaken.

Wenn ich vor dem Grab stehe, weiß ich, ich hätte ihn gerne kennengelernt. Es war ein Mensch mit viel Kraft, aber auch mit viel innerem Schmerz, der nach dem Krieg (mit 4 Jahren) durch seinen Vater seiner Mutter „entrissen“ wurde. Er hat sie nie wieder gesehen. Was könnte er uns, vor allem Cédric, seinem Enkel, heute alles erzählen? Von schönen Momenten, aber auch von seinen Nöten und unerfüllten Wünschen,… .

Dieser Friedhof hat auf mich eine einzigartige Ausstrahlung: Blick auf das Meer, man hört das Meer rauschen, die Möwen kreischen, ehemals stattliche Grabkapellen – schon degradiert von der Zeit und der Salzluft – und andere interessante kunstvolle Gräber, teils karg, teils kitschig dekoriert. Es ist etwas ganz besonderes, hier durch die Reihen zu gehen, sich die verschiedenen Gräber, die Namen und die Daten zu betrachten und sich zu fragen:

Was könnten sie uns heute wohl alles erzählen?

Back to the roots – Die „Haute ville“ von Granville

Ich liebe Granville, aber besonders liebe ich die „haute ville“, die Hochstadt von Granville. Wenn ich in den Straßen spazieren gehe, spüre ich die Ausstrahlungskraft, die Geschichte, die Schicksalstracht dieses Ortes.

Deshalb jetzt etwas Geschichte für Euch, das muss sein, um diese Stadt zu verstehen:

Die Stadt liegt auf einem Felskap im Südwesten der Halbinsel Cotentin. Sie gehört zum Departement „Manche“, weil sie an den Ärmelkanal angrenzt und nicht direkt an den Atlantik. Sie besteht aus der alten, von Festungsmauern umgebenen Oberstadt (haute ville) und der Unterstadt (basse ville), mit einem Seehafen, einem Fischereihafen und einem Yachthafen.

Die Kirchen und Klöster auf dem Mont-Saint-Michel wurden aus Granit erbaut, der aus den Steinbrüchen von Granville stammt. Im 14. Jahrhundert eroberte das Königreich England die gesamte Normandie mit Ausnahme des Mont-Saint-Michel. 1442 eroberten die Verteidiger des Mont-Saint-Michel jedoch Granville und vertrieben die Engländer ein für alle Mal.

1492 kamen aus Spanien vertriebene Juden nach Granville. Da ihnen verboten war, im Innern der Stadt zu wohnen, siedelten sie an deren Rand. Sie hatten die Erlaubnis, Geld zu verleihen und Goldschmuck zu schmieden. Ihre Aktivitäten trugen zu Entwicklung und Wachstum der Stadt bei. Allmählich entwickelte sich Granville zum bedeutenden Hafen der Kabeljau-Fischerei.

Die heutige, streng wirkende Wohnhaus-Architektur der Oberstadt stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Granville zu einem Badeort, besonders für Touristen aus Paris.

Im Juni 1940 wurde der Ort – wie ganz Nordfrankreich – im Rahmen des Westfeldzugesvon Einheiten der Wehrmacht besetzt. Nach der Invasion der Normandie (ab 6. Juni 1944, dem D-Day) wurde Granville am 31. Juli 1944 kampflos von den deutschen Truppen geräumt.

So und jetzt kommen wir zum springenden Punkt: In dieser schicksalsträchtigen Stadt, und zwar in der „haute ville“, ist Christophe geboren und aufgewachsen. Auf dem Foto oben steht er vor seinem Geburtshaus.

Sein Vater war Fischer, hatte eine Flotte unter sich und war Vorsitzender des Fischereikommitees. Er hatte sich gewünscht, dass Christophe in seine Fußstapfen tritt, aber Christophe hat sich anders entschieden.

Wir nutzten die Zeit vor dem nächsten Confinement, um in der „haute ville“ spazieren zu gehen und noch einmal lecker essen zu gehen, bevor alle Restaurants geschlossen werden. Wir haben das so genossen, wie man sieht… .

Nicht, dass Ihr denkt, wir chillen nur. Hier wird auch gearbeitet…

Cédric hat die Herausforderung in der Schule extrem gut angenommen. Er ist erstaunlich motiviert, hat sich schon Freunde gemacht und liegt mit seiner Benotung über dem Durchschnitt der Klasse. Das ist phänomenal und viel mehr, als er erhofft hat. Er hat wirklich nette und ihm wohl gesonnte LehrerInnen und digital sind sie in seiner Schule weiter als an seiner deutschen Schule (was ich nicht gedacht hätte..).

Seit 1 Monat geht er drei mal in der Woche in sein geliebtes Volleyball. Das ist sein Lebenselixier und jede Frustration wird durch diese Aktion in Lebensfreude umgewandelt. Seine Geige musste leider dadurch etwas zurückstecken.

Christophe erprobt sich in Crevetten, Austern und Muscheln fischen. Irgendjemand muss sich ja um das Essen kümmern! Außerdem macht er einen Kite-Kurs. Er plant, ein Praktikum bei einem Bäcker zu machen, um zu erlernen, wie die leckeren original französischen Croissants und und Baguettes hergestellt werden.

Ich arbeite jeden Tag leidenschaftlich an meinem Coach-Studium. „C’est mon truc!“ Dieses Studium bestimmt meinen Tagesablauf. Außerdem unterstütze ich Cédric täglich in der Schule. Ich habe trotzdem den Eindruck, dass er hier wirklich lernt, selbständig zu werden und höre auf ihn, wenn er sagt, dass er hier oder dort keine Hilfe benötigt. Ehrlich gesagt bin ich erleichtert darüber, räumt mir das doch mehr Zeit für mein Studium ein.

Ich möchte hier Akkordeon spielen lernen. Leider habe ich noch keinen Lehrer gefunden, der mir Präsenzunterricht geben kann. Im Moment versuche ich mich über Unterricht über youtube. Und ich schaue mir kommen Freitag einen „Danse moderne – Kurs“ an. Das hat mich wieder gepackt. Die Dokumentation über die Muschelbauern ist noch in meinem Kopf. Damit werde ich mich in den kommen Wochen beschäftigen.

Und hier wird gekocht, auch Cédric ist hier sehr aktiv: Sushi-Reisbällchen, Crustaceen,…. Das habt Ihr Euch sicherlich schon gedacht.

Außerdem haben wir mit Lehrern und Eltern der Schule ein Gewächshaus gebaut. Die Bilder sprechen für sich.

Cédrics Geburtstag lief auf Sparflamme und fiel extrem kleiner aus als gewohnt. Ein bisschen traurig war es schon für ihn: Klar, ohne Freunde, nur mit Eltern und Oma. Wir haben lecker gegessen, es kamen Glückwunschkarten und Päckchen aus Deutschland an und er hatte einige Online-Chats. Nächstes Jahr wird es wieder groß!

Unser Herbst in der Normandie: Erdbeben, Tornado, Dauerregen und Erdkröten

Das ist unser Herbst in der Normandie.

Vor ein paar Tagen schreckte uns morgens um vier Uhr ein lautes tiefes Grollen, verbunden mit einem Beben, aus dem Bett. Alles wackelte und schepperte. Wir waren voller Angst und verstanden im ersten Moment nicht (noch im Halbschlaf), was passiert war. Später erfuhren wir, dass das ein Meeresbeben, 10km entfernt vor unserer Küste, war. Sicherlich rollte danach eine riesige Welle an unseren Strand. Gott sei Dank ist hier nichts schlimmeres passiert, im Gegensatz zur Bretagne, wo extreme Schäden entstanden sind. Es gab auch kein zweites Beben, aber an Schlaf war für des Rest des Morgens erst mal nicht mehr zu denken.

Dann der Tornado: Die Bäume bogen sich im Sturm und der eine oder andere Baum hat es nicht geschafft und lag am nächsten Morgen quer auf der Straße. Das Gebälk unseres Dachbodens quietschte verdächtig und wir hatten Bedenken, dass wir ohne einem Dach über dem Kopf enden würden. Auch das ging, außer unserer verständlichen Angst, glimpflich aus.

Ansonsten regnet und stürmt es seit 2 Wochen ununterbrochen. Das ist schon etwas demoralisierend, aber das ist wohl der Herbst hier in der Normandie. Christophe kann sich nicht mehr an den Herbst in der Normandie erinnern. Lebt er doch schon seit 30 Jahren in Deutschland. Und wir sagen uns, dass es sicherlich auch wieder sonnige Herbsttage geben wird.

Ein Highlight für mich war die Erdkröte, die sich vor unserer Tür wohl heimisch und sicher gefühlt hat. Als ich die Tür öffnete, wollte sie ins Haus hinein hüpfen. Das konnte ich mir dann doch schlecht vorstellen: Eine Erdkröte als Haustier. Ich setzte sie auf meinen Schuh und platzierte sie unter einen Strauch in unserem Garten. Sie saß dann trotzdem jeden Abend vor unserer Tür. Erdkröten sind übrigens vorm Aussterben bedroht.

Und Hugo? Hugo genießt hier sein Hundeleben.

Auf meiner Joggingstrecke gibt es viel zum Innehalten, ich muss aber weiterlaufen…

Das ist nun meine neue Joggingstrecke, seit wir hier in Tourneville wohnen. Folgt den Bildern und den Eindrücken, lasst Euch inspirieren, dann ist es so, als würdet Ihr neben mir her laufen. Die Bilder sprechen für sich.

Ich habe den Eindruck, dass sich hier in unserem Ort eine Alternative Szene etabliert hat, was hier in Frankreich sicherlich seltener vorkommt: „La ferme des bohémiens“. Menschen leben in Bauwagen und betreiben einen Bauernhof. Vor unserem Haus fahren auffallend viele Leute mit Fahrrädern vorbei, was hier normalerweise seltener vorkommt.

Das ist mein Lieblingsschwein. Seine Ohren fallen ihm immer wieder vor seine Augen. Ich frage mich, ob es überhaupt etwas sehen kann. Wenn ich vorbeikomme, setzt es sich beschwerlich und langsam in Bewegung, um zum Zaun zu kommen. Als ich das Schwein zum ersten mal gesehen habe, musste ich laut lachen und schloss es für immer in mein Herz (Das gibt es…).

Der Truthahn rannte laut kreischend auf mich zu, mein Puls war kurzfristig auf 180 und ich sah mich gezwungen, meine Laufgeschwindigkeit zu erhöhen, was anscheinend nur bei „Gefahr in Verzug“ vorkommt.

Überirdische Strommasten: Dieses Bild erinnert mich an meine Kindheit. Gibt es das in Deutschland überhaupt noch? Die Franzosen sind, was Innovation und Umweltschutz betrifft, ziemlich hinten dran. In den Mega-Supermärkten hat man nur eine geringe Chance, Lebensmittel einzukaufen, die nicht in Plastik verpackt sind. Um mein Gewissen zu beruhigen, kaufe ich die teuren in recyceltem Plastik eingepackten Bio-Lebensmittel (inzwischen gibt es dafür große Bio-Märkte) und kaufe auf dem Markt ein, auf dem ich immer eine ausladende Einkaufstasche dabei habe, in der die Sachen lose verschwinden.

Auch in Cédrics Schule werden die Arbeitsblätter entweder im Ordner in Plastikfolie einsortiert oder sie werden in den Heften auf die Blätter eingeklebt (doppelte Papierverschwendung). Für was soll das gut sein? Und was machen wir mit den Stapeln an Materialien nach 1 Jahr? Ich habe mir fest vorgenommen, beim nächsten Elternabend das anzusprechen. Ich muss mir vorher allerdings ein gutes Vokabular zurechtzulegen, damit das, was ich sage, auch seine gewünschte Wirkung entfaltet. Ansonsten ist diese Schule, digital gesehen, weiter als Cédrics Gymnasium in Heusenstamm. Und was Erziehung zur Natur betrifft: Letzte Woche haben wir mit Lehrern und anderen Eltern auf dem Schulhof ein Gewächshaus aufgebaut.

Unsere Eier kaufe ich bei einem Nachbarn um die Ecke, er ist übrigens Künstler und fertigt Silberschmuck an. Beim letzten mal nahm ich Hugo mit. Er ist erst einmal den Hühnern hinterhergerannt, die natürlich total verschreckt in alle Richtungen gelaufen sind. Es hat eine Zeit lang gedauert, bis wir Hühner und Hund wieder eingefangen hatten und alle wieder an ihrem Platz waren. Ich habe mich sagen hören: „Das macht er normalerweise nie…“